Jurisprudence

Gemeinsame Elternschaft eines lesbischen Paares

CHILE, SANTIAGO: MENSCHENRECHTE

Segundo Juzgado de Familia de Santiago, 8 de Junio de 2020 (Causa roi C-10028-2019)

Gastbeitrag von Andreas GUTMANN, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Bremen

Art. 182 des chilenischen Zivilgesetzbuchs ist so auszulegen, dass zwei Frauen als gemeinsame Eltern eines Kindes anerkannt werden können.


Verfassungswidrigkeit des Thüringer Paritätsgesetzes - Ambivalente Signale aus Weimar

DEUTSCHLAND: VERFASSUNGSRECHT

Thüringer Verfassungsgerichtshof, 15. Juli 2020, VerfGH 2/20

Gastbeitrag von Lea RABE, Doktorandin Universität Münster

Das Siebte Gesetz zur Änderung des Thüringer Landeswahlgesetzes - Einführung der paritätischen Quotierungen vom 30. Juli 2019 (GVBl. 2019, S. 322) ist nichtig.


Nichtpromotion wegen ungenügender Leistung; behauptete Diskriminierung von Knaben an Gymnasien

SCHWEIZ, ZÜRICH: VERWALTUNGSRECHT

Verwaltungsgericht des Kantons Zürich, 9. Juli 2020 (VB.2020.00349)

Die Kantonsschule Hottingen entschied, dass A., geb. 2002, die Promotionsvoraussetzungen nicht erfülle. Die Eltern von A. legten gegen die Nichtpromotion Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein und rügten eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts.


Leihmutterschaft

SCHWEIZ, ZÜRICH: FAMILIENRECHT, INTERNATIONALES PRIVATRECHT

Verwaltungsgericht Zürich, 14. Mai 2020 (VB.2019.00829, VB.2019.00833)

Eine schweizerisch-türkische Doppelbürgerin und ihr türkischer Ehemann haben ihren Wohnsitz in Zürich. Sie leidet an einer seltenen Fehlbildung und kann deshalb keine Kinder austragen. Im Jahr 2018 hat das Ehepaar in Georgien mit einer georgischen Staatsangehörigen einen Leihmutterschaftsvertrag abgeschlossen.


Selbständige Geltendmachung des Rechts auf Änderung von Geschlecht und Vornamen des neunjährigen Kindes

SCHWEIZ, EINSIEDELN: PERSONENSTAND

Einzelrichter Einsiedeln, 19. Juni 2019 (Verfahrens-Nr. ZES 2019 016)

Dieser unpublizierte Entscheid des Einzelrichters Einsiedeln heisst das Gesuch um Änderung des Geschlechtseintrags im Personenstandsregister und um Änderung des Vornamens eines neunjährigen Kindes gut und anerkennt seine Urteilsfähigkeit.


Elternschaft verpflichtet jenseits von Geschlecht, sexueller Orientierung und Zivilstand

SCHWEIZ, BERN: FAMILIENRECHT

Obergericht Bern, 26. Februar 2020 (ZK 2019 477)

Das Berner Obergericht bestätigt in seinem Leiturteil vom 26. Februar 2020, rechtskräftig seit 12. Mai 2020, die erstinstanzlich gesprochenen Unterhaltspflichten der Co-Mutter gegenüber Kindern und Partnerin, welche die lebliche und damit rechtliche Mutter der Kinder ist.


Kein Anspruch auf Betriebszulagen zusätzlich zur Mutterschaftsentschädigung

SCHWEIZ: MUTTERSCHAFTSENTSCHÄDIGUNG

Bundesgericht, 22. Juni 2020 (9C_737/2019)

Selbständig erwerbende Frauen haben bei Mutterschaft keinen Anspruch auf Betriebszulagen. Eine solche ist nur für selbständig erwerbende Dienstleistende vorgesehen. Jedoch sind entsprechende gesetzgeberische Anpassungen hängig.


Auszahlung einer IV-Rente an die unterstützungsberechtigte Person im Scheidungsverfahren

SCHWEIZ: FAMILIENRECHT

Bundesgericht, 14. Mai 2020 (9C_444/2019)

Vernachlässigt ein Invalidenrentner seine Unterstützungspflicht, ist eine Schuldneranweisung an die Invalidenversicherung zur Auszahlung seiner Invalidenrechte an die unterstützungsberechtigte Person zulässig.


Eine Kündigung nach Rückkehr aus dem Mutterschaftsurlaub ist auch dann missbräuchlich, wenn die neue Angestellte besser qualifiziert ist

SCHWEIZ: DISKRIMINIERENDE KÜNDIGUNG

Bundesgericht, 12. Mai 2020 (4A_59/2019)

Eine Kündigung nach Rückkehr aus dem Mutterschaftsurlaub ist vermutungsweise diskriminierend. Für den Gegenbeweis reicht es nicht aus, dass die neue Angestellte besser qualifiziert ist.


Häufung einer Klage im ordentlichen Verfahren mit einer Klage im vereinfachten Verfahren nach GlG

SCHWEIZ: ZIVILPROZESSRECHT

Bundesgericht, 7. April 2020 (4A_522/2019)

Wird ein Anspruch nach Gleichstellungsgesetz mit anderen Ansprüchen in einer einzigen Klage vereint, obschon nicht die gleiche Verfahrensart anwendbar ist, wäre es überspitzt formalistisch, überhaupt nicht oder nur zum Teil auf die Klage einzutreten.


La notion de traite des êtres humain (et donc l'obligation de protéger la victime) s'applique tant à la traite transnationale que nationale. La prostitution constitue une violation de l'art. 4 CEDH quand elle est forcée.

EUROPE: TRAITE DES ÊTRES HUMAINS ET/OU EXPLOITATION DE LA PROSTITUTION

Cour européenne des droits de l'homme (GC), ârret du 25 juin 2020, S.M. c. Croatie (Requête no 60561/14)

Notion de «traite des êtres humains» s’appliquant à la fois à la traite tant nationale que transnationale, qu’elle soit ou non liée à la criminalité organisée • Notion de «travail forcé ou obligatoire» protégeant contre la prostitution forcée, qu’elle s’inscrive ou non dans le contexte de la traite d’êtres humains • Existence de «traite des êtres humains» et/ou de prostitution forcée constituant une question factuelle à examiner à la lumière de toutes les circonstances pertinentes.


Interdiction du discours haineux

EUROPE: DISCOURS HAINEUX

Cour européenne des droits de l'homme, décision du 11 juin 2020, AFFAIRE Lilliendahl c. Islande (Requête no 29297/18)

Le requérant a rédigé un commentaire suite à un article en ligne rapportant la décision de la municipalité de Hafnarfjörður de 2015 de renforcer dans l’enseignement scolaire les questions dites LGBTIQ. L’association nationale LGBTIQ Samtökin ’78 a alors déposé plainte à l’encontre du requérant, lequel a été condamné en 2016 au sens de l’article 233 (a) du Code pénal islandais. Son commentaire a en effet été jugé constitutif de menace publique, de moquerie et de diffamation ainsi que dégradant pour un groupe de personnes en lien avec leur orientation sexuelle et leur identité de genre.


Co-Mütter transkribiert

ITALIA: DIRITTO DI FAMIGLIA

La Corte d’appello di Trento, Sezione prima civile, decreto del 16 gennaio 2020

Ein Kind, dass in Spanien unter zu Hilfenahme einer anonymen Samenspende geboren worden ist, wird in Italien mit seinen beiden Müttern anerkannt und ihr Kind-Elternverhältnis wird ins italienische Personen­standsregister transkribiert.


Appartenenza ad un particolare gruppo sociale - orientamento sessuale

ITALIA: DIRITTO D'ASILO

Tribunale ordinario di Brescia, 27.11.2019, N.R.G. 12565/2018

Corte di Cassazione, 10.07.2019, Civile Ord. Sez. 1 Num. 28197 Anno 2019


Sa femme n'est pas intégrée, donc il n'est pas intégré

SUISSE: FRIBOURG, DROIT DE CITÉ

Tribunal cantonal de Fribourg, 6 février 2020 (601 2018 325)

Le Tribunal cantonal fribourgeois a rejeté la demande de naturalisation d'un candidat ressortissant du Kosovo né en 1982, arrivé en Suisse en 1990 avec ses parents, marié avec une compatriote qui le rejoint en 2010, parce que sa femme n'est pas intégrée.


Familiennachzug einer Person, die über einen flüchtlingsrechtlichen Schutzstatus in einem Dublin-Mitgliedstaat verfügt.

SCHWEIZ: ASYLRECHT

Bundesverwaltungsgericht, 25. September 2019 (E-4639/2017), BVGE 2019 VI/3

Verfügt eine Person bereits in einem anderen Dublin-Mitgliedstaat über einen asylrechtlichen Schutzstatus, regelt sich der Familiennachzug nach den allgemeinen Regeln des Ausländer- und Integrationsgesetzes (AIG).


Violences conjugales et annulation de la naturalisation facilitée

SUISSE: ANNULATION DE LA NATURALISATION FACILITÉE

Arrêt du Tribunal administratif fédéral du 8 juillet 2019 (F-6242/2017)

Commentaire par Roxane SHEYBANI (avocate en l'étude Msslaw à Genève)

Le 8 juillet 2019, le Tribunal administratif fédéral a confirmé l’annulation de la naturalisation facilitée d’une femme présumée avoir menti lors de la déclaration de vie commune et effective, d’une part parce que moins de deux ans s’étaitent écoulés entre la déclaration et la séparation du couple et d’autre part parce que, victime de violences conjugales, l’épouse ne pouvait sans mentir prétendre croire à son mariage.


Opfer ehelicher Gewalt zu Unrecht Aufenthaltsbewilligung verweigert

SCHWEIZ: MIGRATIONSRECHT

Bundesgericht, 26. Februar 2020 (2C_922/2019)

Das Amt für Migration des Kantons Luzern muss einer Frau aus Montenegro eine Aufenthaltsbewilligung erteilen, nachdem sie sexuelle Nötigung durch ihren Schwiegervater erlebte und psychische Drangsalierungen durch die Familie ihres Ehemanns ausgesetzt war.


Anspruch auf Familiennachzug des Ehegatten bei Vorliegen eines gefestigten Aufenthaltsrechts

SCHWEIZ: MIGRATIONSRECHT

Bundesgericht, 28. Februar 2020 (2C_668/2018)

Ein gefestigtes Aufenthaltsrecht gestützt auf Artikel 8 EMRK gibt grundsätzlich Anspruch auf den Familiennachzug des Ehegatten.


Klage eines Psychologen: benachteiligt in typischem Frauenberuf?

SCHWEIZ: GLEICHSTELLUNGSGESETZ

Bundesgericht, 20. Februar 2020 (8C_420/2019)

Nach Bundesgericht kommt das GlG zur Anwendung, denn es handelt sich beim Beruf des Psychologen und der Psychologin um einen typischen Frauenberuf im Vergleich etwa zum Ingenieur, Revisor oder Steuerkommissär. Es hält fest, dass der Beurteilungsspielraum von Behörden, ob eine Arbeitstätigkeit gleichwertig sei oder nicht, grundsätzlich gross ist. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen und zur Neubeurteilung des Kriteriums Arbeitserfahrung zurückgewiesen.


Arbeitslosenversicherung: Vermittlungsfähigkeit während der Schwangerschaft bejaht

SCHWEIZ: ARBEITSLOSENVERSICHERUNG

Bundesgericht, 11. Februar 2020 (8C_435/2019)

Das Kantonsgericht Wallis hat kein Bundesrecht verletzt, als es die Vermittlungsfähigkeit einer schwangeren Frau kurz vor der Niederkunft bejahte und ihr Arbeitslosentaggelder zusprach.


Égalité de traitement en matière d’emploi et de travail et interdiction des discriminations fondées sur l’orientation sexuelle

EUROPE: GENDER EQUALITY

Cour de justice de l'Union européenne (grand chambre) 23 avril 2020, NH/Associazione Avvocatura per i diritti LGBTI - Rete Lenford (C-507/18)

La CJUE a été saisie d’un renvoi préjudiciel de la Corte suprema di cassazione (Cour de cassation, Italie) au sujet de la directive 2000/78/CE du Conseil du 27 novembre 2000 portant création d’un cadre général en faveur de l’égalité? de traitement en matière d’emploi et de travail (JO 2000, L 303, p. 16).


Le atlete italiane equiparate ai colleghi maschi: possono diventare sportive professioniste

ITALIA: DIRITTO DEL LAVORO E PARITA`DI GENERE NELLO SPORT

Manovra di Bilancio  Commissione del Senato


Die Rückweisung einer Interpellation wegen Verwendung des generischen Maskulinums entbehrt einer genügenden gesetzlichen Grundlage

SCHWEIZ, STADT ZÜRICH: SPRACHLICHE GLEICHBEHANDLUNG

Bezirksrat Zürich, Beschluss vom 23. Januar 2020, GE.2019.33/2.02.01

Die Delegation an das Ratsbüro, unbeschränkt Formvorschriften zur Abfassung von politischen Vorstössen zu erlassen, deren Nichteinhaltung zur Ablehnung führt ist unzulässig. Im Übrigen wäre es fraglich ob es zulässig wäre, das Eintreten auf politische Vorstösse vom Einhalten sprachformaler Vorgaben abhängig zu machen.

Sentenzeparita.ch: 2019 publizierte Rechtsprechung des Bundesgerichts nachgeführt

SCHWEIZ: GLEICHSTELLUNGSGESETZ

2020

Die Webseite sentenzeparita.ch, auf welcher die publizierte Rechtsprechung des Bundesgerichts sowie des Tessiner Obergerichts auf italienisch zusammengefasst wird, ist mit den 2019 veröffentlichten Entscheiden aktualisiert

 Auch audiovisuelle Aufnahmen können belästigenden Charakter haben, soweit sie das Opfer zeitlich direkt erreichen

SCHWEIZ: SEXUELLE BELÄSTIGUNG


Bundesgericht, 4. November 2019 6B_69/2019
 
Die Äusserung, wonach eine Politikerin ihren politischen Erfolg sexuellen Gefälligkeiten gegenüber Politikern zu verdanken habe, ist eine Tatsachenbehauptung, die die Ehre der Strafklägerin verletzt und zum Gegenstand einer Wahrheitsprüfung gemacht werden kann. Auch audiovisuelle Aufnahmen können belästigenden Charakter haben, sofern das Opfer sie direkt wahrnimmt.

Operative Geschlechtsangleichung im Ausland

SCHWEIZ: KOSTENÜBERNAHME DURCH KRANKENKASSE

Bundesgericht, 8. Mai 2019, BGE 145 V 170

Das Bundesgericht hat sich mit der Frage befasst, ob eine schweizerische Krankenkasse die Auslandsbehandlung für eine Geschlechtsangleichung zu vergüten hat. Es stellte fest, dass weder die Krankenkasse, die die Vergütung ablehnte, noch das kantonale Gericht, die jene zur Zahlung verpflichtete, den Fall ausreichend untersucht hatte.

Völkerrechtliche Aufenthaltsansprüche von Opfern von Menschenhandel

SCHWEIZ: AUFENTHALTSANSPRÜCHE 

Bundesgericht, 14. Februar 2019, 2C 373/2017 und Urteilsbesprechung von Nula FREI

Die Praxis, wonach Opfer von Menschenhandel, die sich im Asyl- und insbesondere im Dublin-Verfahren befinden, keine Aufenthaltsbewilligung während des Strafverfahrens erhalten, ist völkerrechtswidrig.


Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung

EU: LGBTIQ-RECHTE

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, 14. Januar 2020 (Beizaras und Levickas vs. Litauen, Verletzung von Art. 14 i.V.m. Art. 8 EMRK)

Litauen weigerte sich ein Strafverfahren wegen Diskriminierung eines schwulen Paares zu eröffnen. Das Paar hat gemeinsam mit einer LGBTI-Organisation Klage beim EGMR eingereicht. Dieses bestätigt, dass Litauen die menschenrechtlichen Verstösse hätte ahnden müssen.


Rejection of the applications for registration of LGBT associations

EU: LGBTIQ-RIGHTS 

European Court of Human Rights, 16 July 2019 (Zhdanov and others vs. Russia), violation of article 14 combined with article 11 ECHR)

Under Article 11 ECHR, the member states have the positive obligation to guarantee that the members of associations are able to hold meetings without having to fear physical violence from their opponents. Their role is not to remove the cause of tension by eliminating pluralism, but to ensure that the competing groups tolerate each other.


Homologe Befruchtung post mortem

ITALIEN: FORTPFLANZUNGSMEDIZIN- UND ABSTAMMUNGSRECHT

La Corte Suprema di Cassazione, Sezioni uniti civili
Sentenza Cassazione Civile N. 13000 vom 5. März 2019  
Der Kassationshof hebt ein Urteil auf, das zum Schluss gekommen war, dass ein Kind, das aus Samenzellen des verstorbenen Ehemannes der Mutter in Spanien im IVF-Verfahren gezeugt und in Italien zur Welt gekommen war, nicht auch als die rechtliche Tochter des verstorbenen Ehemannes mit dessen Namen im Zivilstands­register eingetragen werden könne.

Délai de prescription pour une action en recherche de paternité : violation du droit au respect de la vie privée

BELGIQUE : DROIT DES FAMILLES

Cour constitutionnelle, arrêt n°142/2019 du 17 octobre 2019

Selon la Cour, le fait pour le législateur fédéral de prévoir un délai de prescription de trente ans à compter de la majorité de l’enfant pour intenter une action en recherche de paternité constitue une violation du droit au respect de la vie privée garanti par l’article 22 de la Constitution


Preuve de l'apparence d'une discrimination indirecte

UE : DISCRIMINATIONS INDIRECTES EN DROIT DU TRAVAIL

Cour de justice de l’Union européenne, arrêt du 3 octobre 2019 (C-274/18, Minoo Schuch-Ghannadan / Medizinische Universität Wien)

Pour que l’apparence d’une discrimination indirecte résultant d’une réglementation soit établie, la Cour n’exige pas que la partie s’estimant lésée fournisse des statistiques ou des faits précis ciblant les travailleurs concernés si cette partie n’a pas ou n’a que difficilement accès à ces données.


Arrêt de principe : la co-mère a aussi des obligations parentales

SUISSE : FAMILLES ARC-EN-CIEL

Tribunal régional Berne-Mittelland, 3 septembre 2019 (CIV 18 3897 MSA, non publié)

De Dominic NELLEN, avocat responsable

Début septembre 2019, le tribunal régional de Berne-Mittelland a rendu un arrêt décisif pour les familles arc-en-ciel. Lorsque deux femmes ou deux hommes qui vivaient en partenariat enregistré se séparent, et qu’ils avaient des enfants communs et en assuraient conjointement la garde, une contribution d’entretien sera fixée de la même façonque pour les couples hétérosexuels mariés.


Sexuelle Belästigung im Arbeitsverhältnis

SCHWEIZ: SEXUELLE BELÄSTIGUNG

Bundesgericht, 29. August 2019 (4A_544/2018)  

Sexuelle Belästigung liegt nicht nur vor, wenn das Verhalten an sich sexuell konnotiert ist. Ausschlaggebend ist der Kontext, in dem es erfolgt. Zwischen der Mitteilung von Gefühlen und dem Aufsetzen von Druck zur Eingehung einer intimen Beziehung besteht ein Unterschied.


Renvoi d’une survivante de violences conjugales dont le mari est jugé plus crédible

SUISSE: DROIT DES ÉTRANGERS


Tribunal fédéral, 11 juillet 2019 (2C_593/2019)

Dans un arrêt du 11 juillet dernier, le Tribunal fédéral se rallie aux conclusions du Tribunal administratif fédéral qui n’a pas jugé crédibles les propos tenus par une femme victime de violences conjugales.


La rilevanza della CEDAW nella  giurisprudenza degli Stati contraenti. Un commento a margine della recente pronuncia della consulta in tema di trasmissione del cognome ai figli

MONDO (CEDAW): GIURISPRUDENZA IN ITALIA

2017  

Alberta FABBRICOTTI, Rivista AIC – Associazione italiana dei costituzionalisti, 2/2017.

L’art 16, cifra 1 lit. g) CEDAW impegna gli Stati contraenti ad adottare tutte le misure adeguate per eliminare la discriminazione nei confronti della donna in tutte le questioni derivanti dal matrimonio e nei rapporti familiari e, in particolare, ad assicurare “gli stessi diritti personali al marito e alla moglie, compresa la scelta del cognome...”
L’articolo di Alberta Fabbricotti analizza l’interpretazione di questa norma e come le corti nazionali si riferiscono – o non riferiscono – al diritto internazionale e in particolare alla CEDAW


Die CEDAW in der Rechtsprechung des Schweizerischen Bundesgerichts

WELT (CEDAW): RECHTSPRECHUNG IN DER SCHWEIZ

von Rosemarie WEIBEL

Allgemeines
In der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hat das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) bisher selten Eingang gefunden.


Diskriminierung einer schwangeren Lehrerin

SCHWEIZ, KANTONALE RECHTSPRECHUNG: GLEICHSTELLUNGSGESETZ

Verwaltungsgericht des Kantons Zürich, Urteil VB.2018.00701, Endentscheid vom 3. Juli. 2019.

Die Kürzung des Beschäftigungsgrades einer Lehrerin aufgrund ihrer Schwangerschaft verstösst gegen das Gleichstellungsgesetz.


Strafrechtliches Neuland: Stealthing

SCHWEIZ, KANTONALE RECHTSPRECHUNG: STEALTHING

Bezirksgericht Lausanne PE15.012315-LA, 9. Januar 2017: Zweitinstanzliches Urteil des Kantonsgerichts Waadt, 8.Mai 2017 Nr. PE15.012315-LAE/PBR
Bezirksgericht Bülach  DG180057, 13. Februar 2019, noch nicht rechtskräftig (Urteilsbegründung nicht zur Publikation freigegeben)
Basel-Stadt XX noch nicht rechtskräftig

Gastbeitrag und Kommentar von Nora SCHEIDEGGER
Das sog. Stealthing (von engl. stealth = List), d.h. wenn ein Sexualpartner vor oder während des Geschlechtsverkehrs heimlich das Kondom abstreift und in der Folge abredewidrig ungeschützten Verkehr praktiziert, beschäftigte bereits wiederholt die Schweizer Strafgerichte. Während im schweizweit ersten Fall zur Thematik das verpönte Verhalten erstinstanzlich noch als Vergewaltigung und zweitinstanzlich dann als Schändung  qualifiziert wurde, haben das Bezirksgericht Bülach ZH und das Baselbieter Strafgericht im Frühjahr die jeweiligen Beschuldigten freigesprochen. Stealthing könne weder als Vergewaltigung noch als Schändung qualifiziert werden; die entsprechende Rechtslücke müsse – wenn überhaupt – durch den Gesetzgeber geschlossen werden.


Amtsgericht Solothurn verurteilt eine Salonbetreiberin wegen Menschenhandels

SCHWEIZ, KANTONALE RECHTSPRECHUNG: MENSCHENHANDEL

Amtsgericht, 16. Juli 2019

Gastkommentar von Eva ANDONIE , Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration FIZ
Am 16.7.2019 verurteilte das Amtsgericht Solothurn eine thailändische Salonbetreiberin in drei Fällen wegen Menschenhandels zwecks sexueller Ausbeutung und verurteilte sie zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt 40 Monaten.


Ehe für alle

ECUADOR: MENSCHENRECHTE

Corte Constitucional del Ecuador, 12. Juni 2019 (Sentencia N. 10-18-CN/19, Sentencia N. 11-18-CN/19)

Die Verfassung Ecuadors und die Amerikanische Menschenrechtskonvention (AMRK) in ihrer verbindlichen Auslegung, die sie durch das Gutachten des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte (IAGMR) OC 24/17 vom 24.11.2017 erhalten hat, gebieten es, die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen. Die widersprechenden Bestimmungen des ecuadorianischen Rechts sind nicht anwendbar, die gesetzgebende Gewalt wird verpflichtet, entsprechende gesetzliche Institutionen zu schaffen.


Protection de l’identité sexuelle non binaire ou fluide

BELGIQUE: DROIT DES PERSONNES

Cour constitutionnelle, 19 juin 2019, n°99/2019

Selon la Cour, le fait pour une personne, dont l’identité sexuelle est non binaire, de ne pas pouvoir modifier dans son acte de naissance l’inscription d’un sexe qui ne correspond pas à cette identité, alors qu’une personne dont l’identité sexuelle est binaire le peut, viole le principe d’égalité et de non-discrimination. En outre, le fait pour une personne, dont l’identité sexuelle est fluide, de devoir passer par une procédure lourde et non assortie de garantie de succès pour modifier une nouvelle fois son sexe, alors que le droit de procéder à un premier changement de sexe – suffisant pour une personne transgenre dont l’identité de sexe est non fluide – est garanti et assorti d’une procédure légère, viole également le principe d’égalité et de non-discrimination.


Libertà religiosa e divieto di discriminazione in base all’orientamento sessuale - alcune riflessioni a partire dalle pronunce "sull’obiezione del pasticciere"

USA/UK: OBIEZIONE DI COSCIENZA

Court of Appeals of Colorado, July 25, 2016 (14CA1351)
Supreme Court, October 10, 2018 (UKSC 49, 2017/0020)

GenIUS, Rivista di studi giuridici sull’orientamento sessuale e l’identità di genere 2019-1.
Riflessioni sulle conseguenze che il riconoscimento di una religious exemption generalizzata e un uso strumentale della libertà di espressione potrebbero produrre sulla dignità delle persone e la garanzia del divieto di discriminazione.


Urteil wegen Werbung für Schwangerschaftsabbruch im Fall der Ärztin Kristina Hänel aufgehoben

DEUTSCHLAND: WERBUNG FÜR SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH § 219a StGB

OLG Frankfurt am Main, Beschluss vom 27.6.2019, Az. 1 Ss 15/19.

Nach einer Gesetzesänderung wurde das Urteil wegen Werbung für Schwangerschaftsabbruch zu Gunsten der Ärztin an das Landgericht Giessen zurückgewiesen. Auf der Grundlage der landgerichtlichen Feststellungen lasse sich nicht ausschliessen, dass das neue Recht zu einer für die Angeklagte günstigeren Bewertung führt.


Elternschaft gegenüber zwei aus einer Leihmutterschaft geborenen Kindern

ITALIEN: INTERNATIONALES PRIVATRECHT

Corte suprema di cassazione, 6. November 2018 (R.G.N. 10101/2017) (hinterlegt am 8. Mai 2019). 

Die Transkription eines ausländischen Entscheides, welcher die rechtliche Elternschaft zweier Väter gegenüber zwei aus einem Leihmutterschaftsverhältnis geborenen Kindern herstellte, verstösst gegen den internationalen ordre public.


Filles excisées : jugement confirmé contre la mère somalienne

SUISSE: MUTILATION D'ORGANES GÉNITAUX FÉMININS

Tribunal fédéral, 11 février 2019 (ATF 145 IV 17)

Le Tribunal fédéral confirme la condamnation d’une femme de Somalie qui avait fait exciser ses filles dans son pays d'origine avant leur venue commune en Suisse.


Kein Vorsorgeunterhalt im Rahmen vorsorglicher Massnahmen für die Zeit des Scheidungsverfahrens

SCHWEIZ: EHERECHT

Bundesgericht, 9. April 2019 (5A_14/2019)

Mit der auf den 1. Januar 2017 in Kraft getretenen Vorsorgerevision wurde u.a. Art. 122 ZGB geändert und der für die Teilung der beruflichen Vorsorge massgebliche Stichtag von der Rechtskraft des Scheidungsurteiles auf die Einleitung der Scheidungsklage vorverlegt. Es stellt sich damit die Frage, ob für die Zeit des Scheidungsverfahrens bereits im Rahmen vorsorglicher Massnahmen (bei denen es sich um ehelichen Unterhalt handelt) Vorsorgeunterhalt zugesprochen werden kann, wie es im Rahmen des nachehelichen Unterhalts möglich ist.


Homosexualität von Verbot der direkten Diskriminierung in Gleichstellungsgesetz nicht erfasst.
 

SCHWEIZ: GLEICHSTELLUNGSGESETZ

Bundesgericht, 5. April 2019 (BGE 145 II 153) 

Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Orientierung, insbesondere wegen Homosexualität, fallen nur dann unter Diskriminierung aufgrund des Geschlechts im Sinne von Art. 3 Abs. 1 GlG (Bundesgesetz über die Gleichstellung von Frau und Mann), wenn sie geeignet sind, ausschliesslich oder überwiegend die Angehörigen eines bestimmten Geschlechts zu benachteiligen.


Lo sciopero politico non è illegale

ITALIA: DIRITTO DI SCIOPERO

Corte die Cassazione civile, 21.08.2004, n. 16515

Lo sciopero politico è legittimo e lecito sia sul piano penale che su quello civile. Una sentenza della Cassazione civile italiana che può essere applicata anche allo sciopero per la causa delle donne.


Considérations sur le Droit de grève

SUISSE: LIBERTÉ SYNDICALE

Par Isabelle FELLRATH

Il Tempo di silenzio è passato*

SVIZZERA: DIRITTO DI SCIOPERO E CAUSA DELLE DONNE

2019

Uscire dalla legalità per entrare nel diritto[1]

Kein verfassungsmässiges Recht auf einen Frauenstreik

SCHWEIZ: KÜNDIGUNG WEGEN FEMINISTISCHEM ENGAGEMENT

Bezirksgericht Bülach, 22. Dezember 1994 (JAR-1995-169)

Einer Kioskangestellten war im Januar 1992 missbräuchlich u.a. aufgrund ihres gewerkschaftlichen Engagements gekündigt worden. Das Bezirksgericht Bülach stellte jedoch fest, dass eine Kündigung alleine aufgrund der Teilnahme am Frauenstreiktag zulässig gewesen wäre.

Warum eine «10 vor 10»-Moderatorin einen Frauenstreikbutton tragen darf.

SCHWEIZ: MEINUNGSÄUSSERUNGSFREIHEIT VON JOURNALIST*INNEN

Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen, 4. Oktober 1991 (JAAC AAC 57.46)
Im Rahmen der dem Veranstalter eingeräumten Programmautonomie steht auch seinen Mitarbeiter*innen – unter strengeren Voraussetzungen als Dritten – das Recht auf freie Meinungsäusserung zu. Eine Moderatorin darf sich mit einem Hinweis auf den kommenden Frauenstreiktag verabschieden.

Zita Küng zu Legalität und Legitimität von Frauenstreiks

SCHWEIZ: RECHT UND FEMINISTISCHER AKTIVISMUS

21. Mai 2019

Das FRI organisierte zusammen mit den Demokratischen Jurist*innen Schweiz (DJS) eine Veranstaltung zum Frauenstreik. Zita Küng, erfahrene Juristin, Feministin und Aktivistin, streikte 1991 und tut es auch 2019. Sie erläuterte uns die rechtlichen Rahmenbedingungen von Frauenstreiks in der Schweiz und diskutierte mit uns über Interaktion von politischem Aktivismus und Recht und konkret über das Potential der Legitimation politischer Streiks nicht (nur) durch Recht sondern durch politische Bewegungen.


Keine missbräuchliche Kündigung infolge Streiks

SCHWEIZ: STREIKRECHT

BGer, Urteil vom 17.Dezember 2018, 4A_64/2018

Die Beschwerde von 20 Mitarbeitenden gegen das Spital (=Stiftung X) wegen missbräuchlicher Kündigung infolge Streiks wird abgewiesen


Kantonales Streikverbot für Pflegepersonal aufgehoben

SCHWEIZ: STREIKRECHT

Das Bundesgericht entscheidet, dass ein allgemeines gesetzliches Streikverbot für das Pflegepersonal, wie es Art. 68 Absatz 7 des Gesetzes über das Staatspersonal (StPG FR) des Kanton Freiburg im Jahre 2017 neu vorgesehen hatte, unverhältnismässig ist.


Obligation d’inviter des spécialistes en matière de genre dans une émission radio

ARGENTINIA: DROIT PÉNAL ET DISCRIMINATION DE GENRE

Juge n°31 du Fuero penal, Contravencional y de Faltas de Buenos Aires, accord homologué en décembre 2018

Des poursuites pénales dirigées contre un animateur radio pour discrimination et violence de genre ont été suspendues moyennant des mesures destinées à renforcer la tolérance du public de l’animateur radio.


Die Erwähnung längerer Absenzen wegen Mutterschaft und Krankheit im Arbeitszeugnis sind zulässig

SCHWEIZ: ARBEITSRECHT

Bundesgericht, 17. September 2018, 8C_134/2018

Keine Rachekündigung, wenn kein Zusammenhang mit einem hängigen Diskriminierungsverfahren vorliegt. Bei einer Frau* im gebärfähigen Alter, ob sie nun Mutter ist oder nicht, ist stets mit der Möglichkeit einer (weiteren) Mutterschaft und entsprechenden Ausfällen zu rechnen


Refus du partage de la prévoyance professionnelle pour justes motif – violation de l’obligation d‘entretien

SUISSE: DROIT DU DIVORCE

Tribunal fédéral, 6 novembre 2018, 5A_443/2018

La violation grave de l’obligation de contribuer à l’entretien de la famille peut être un juste motifs pour refuser le partage de la prévoyance professionnelle.


Keine Witwenrente für Witwer und Verpartnerte

SCHWEIZ: SOZIALVERSICHERUNGSRECHT

Bundesgericht, 15. Januar 2018, 9C_871/2017
Bundesgericht, 4. April 2018, 9C_119/2018

Es ist seit langem anerkannt, dass Art. 23 und 24 AHVG gegen das Prinzip der Gleichstellung von Mann und Frau verstossen. Es liegt aber nicht am Richter, die erforderlichen Korrekturen vorzunehmen.


Schulstufenmodell bei alternierender Obhut

SCHWEIZ: FAMILIENRECHT - KINDESUNTERHALT

Bundesgericht, 25.September 2018 (5A_968/2017)

Das neue «Schulstufenmodell», das die Aufstockung des Beschäftigungsgrads des kinderbetreuenden Elternteils auf 100 % erst ab dem 16. Altersjahr des jüngsten Kindes verlangt, gilt unter Umständen auch bei alternierender Obhut.