Newsletter FRI 2026#1 - Editorial
Good bye, Newsletter! Hello, Mala Fide!
Im Jahr 2025, anlässlich des 30-jährigen Bestehens unseres Vereins FRI (Schweizerisches Institut für feministische Rechtsstudien und Gender Law), feierte unser Gender Law Newsletter sein zehnjähriges Jubiläum, begleitet von einer Vielzahl spannender Entdeckungen. Diese Gelegenheit wurde genutzt, um einen Rückblick auf die Fortschritte der letzten zehn Jahre in den Bereichen Gesetzgebung, Rechtsprechung und Rechtswissenschaft in Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter zu werfen. Darüber hinaus wurde auf Hindernisse, Rückschritte, feindselige Bewegungen sowie anhaltende schwerwiegende Verletzungen der Gendergleichstellung in Europa hingewiesen (vgl. das Editorial unseres Newsletters 2025#3).
Wir haben wiederholt festgestellt, dass der Umfang und die inhaltliche Vielfalt unseres Newsletters – der bis zu 110 Seiten pro Ausgabe umfasst (vgl. unseren Jubiläums-Newsletter) – sowie die systematische Bereitstellung zahlreicher Beiträge zu rechtlichen Fragestellungen, Urteilen und politischen Themen die Erwartungen an ein derartiges Format deutlich übersteigen. Würde man daraus eine rein wissenschaftliche Fachzeitschrift machen, könnte dieses kostenlos zugängliche Medium einen bedeutenden Beitrag zur Wissensvermittlung leisten, insbesondere um die Lücken in der feministischen Rechtsforschung in der Schweiz und darüber hinaus in Kontinentaleuropa zu schliessen.
Heute wagen wir den Schritt. Wir werden unseren Newsletter in eine digitale, juristische, halbjährlich erscheinende, kostenfreie (Open-Access) Zeitschrift umwandeln, und zwar zu allen Rechtsfragen rund um Gender. Die erste Ausgabe wird im Herbst dieses Jahres vom Verlag Weblaw online veröffentlicht. Das FRI wird Ihnen gerne per E-Mail einen Link zu den ersten Ausgaben zusenden, sobald diese erscheinen werden, und Sie werden sie abonnieren können.
Unsere Zeitschrift wird den stolzen Namen Mala Fide tragen, was auf Lateinisch ‹bösgläubig› bedeutet (Peter Metzger, Schweizerisches juristisches Wörterbuch, 2. Auflage, Helbling & Lichtenhahn 2005). Bösgläubig ist, wer «[...] in dem Bewusstsein handelt, im Unrecht zu sein, oder mit der Absicht, andere zu täuschen oder ihnen zu schaden» (Rémy Cabrillac (Hrsg.), Dictionnaire du vocabulaire juridique, LexisNexis 2008).
Warum haben wir einen solchen Namen für eine wissenschaftliche Zeitschrift gewählt? Zunächst einmal ist es eine positive, substanzielle wissenschaftliche Antwort auf Bewegungen, die den Gender Studies Hintergedanken unterstellen und vorwerfen, «bösgläubig» zu sein. Gerne laden wir Sie mit Mala Fide dazu ein, sich mit Humor – der schon immer ein fester Bestandteil feministischer Strategien war – und Freude von jeder eventuellen Angst zu befreien, nicht aufrichtig verstanden zu werden. Auch ist der Name eine Erinnerung daran, dass keine Sozial- oder Rechtswissenschaft Anspruch auf Neutralität erheben kann. Unser Recht ist von patriarchalen Konzepten durchdrungen. Es kommt stets auf den Standpunkt an, der die Wahrnehmung und die Interpretation der Normen beeinflusst. Dies zu akzeptieren, ist ehrlich und transparent. Aus den uns unterstellten Hintergedanken machen wir somit ein Vorwort. Wenn es als ‹bösgläubig› betrachtet wird, auf die Heuchelei der Neutralität zu verzichten und die feministischen rechtswissenschaftlichen Methoden anzuwenden, dann tragen wir den Mantel der Mala Fide mit Stolz.
Mala Fide wird zum Ziel haben, durch die Veröffentlichung entsprechender wissenschaftlicher Arbeiten zu einer Weiterentwicklung des Rechts aus kritischer, feministischer und queerer Perspektive beizutragen. Um die Vielfalt der Inhalte und ihre Verbreitung zu maximieren, wird unsere Zeitschrift weiterhin viersprachig (Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch) erscheinen und allen Bereichen des Schweizer, internationalen und ausländischen Rechts offenstehen. Zudem wird sie interdisziplinären Analysen mehr Raum geben.
Um dieses Ziel zu erreichen, wird Mala Fide hauptsächlich wissenschaftliche Artikel und Essays bereitstellen. Um eine hohe akademische Qualität zu gewährleisten, werden die Beiträge ab der ersten Ausgabe in diesen beiden Formaten einem doppelten anonymisierten Peer-Review-Verfahren unterzogen. Für die darauffolgenden Ausgaben werden ebenfalls Aufrufe zur Einreichung von Beiträgen veröffentlicht. Die Frühjahrsausgaben werden darüber hinaus thematisch ausgerichtet sein, um ein aktuelles Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Die Zeitschrift wird auch Beiträge in vielfältigeren Formen wie Interviews und Rezensionen veröffentlichen. Schliesslich werden die Beiträge für spätere wissenschaftliche Arbeiten zitierfähig sein.
Die akademische Sorgfalt der Beiträge wird Hand in Hand mit unserem Bestreben gehen, Jurist*innen, die in der Rechtspraxis tätig sind, nützliche Denkanstösse zu liefern. Zu diesem Zweck wird unsere Zeitschrift auch weiterhin Überblicke über die wichtigsten Urteile und politischen Vorhaben geben.
Wie eine Raupe, die sich in einen Schmetterling verwandelt, wird unser Newsletter also in den nächsten Monaten eine Verwandlung durchlaufen. Wir verabschieden uns hiermit vom Newsletter und machen keinen Hehl daraus, dass uns das nicht kalt lässt. Die Erstellung dieser 42 Newsletter-Ausgaben war für uns eine Quelle grosser Freude und Inspiration. Wir sind Ihnen auch sehr dankbar für Ihr Interesse, das uns beflügelt. In einem halben Jahr wird unsere juristische Zeitschrift diese Flügel ausbreiten und uns gemeinsam zu neuen Horizonten führen, von denen wir hoffen, dass sie immer breiter werden. Wir freuen uns sehr.
Auch Sie können mit Ihren Spenden zum Erfolg von Mala Fide beitragen (vgl. unseren Spendenaufruf in diesem Newsletter).
Für die Redaktion des Newsletters: Alexandre Fraikin (verantwortlicher Redaktor), Sandra Hotz, Manuela Hugentobler, Nils Kapferer und Rosemarie Weibel, unter Mitarbeit von Rebecca Rohm