Ziele
Das FRI erforscht Recht aus feministischer Perspektive. Uns interessiert, was im Recht oft im Halbschatten bleibt: wie Geschlecht wirkt, wo Machtverhältnisse in Normen eingeschrieben sind und warum Gleichstellung im Gesetzestext noch lange nicht im Leben angekommen ist.
Recht ist nie nur Ordnung. Es verteilt Möglichkeiten, schützt und grenzt aus. Es entscheidet, wer gehört wird, wer warten muss, wessen Erfahrung zählt. Aus feministischer Perspektive betrachten wir das gesamte Spektrum: Rechtstheorie, Rechtsdogmatik, Rechtspraxis und Rechtspolitik. So sehen wir, was sich fordern und verändern lässt.
Die Fragen, die uns leiten, sind so dringend wie offen: Wie kann das Recht den Wandel anstossen, den es für gerechtere Geschlechterverhältnisse braucht? Wie lassen sich völkerrechtliche Verpflichtungen in der Schweiz umsetzen? Was bedeutet es für Wissenschaft und Praxis, Geschlecht als gesellschaftliche Konstruktion zu begreifen? Wir beantworten solche Fragen wissenschaftlich gestützt und praxisnah. Wir bringen die Forschung in die politische Diskussion ein. So schaffen wir Grundlagen dafür, dass das Recht nicht hinter seinem eigenen Anspruch zurückbleibt.
Der feministische Rechtsdiskurs braucht einen Ort, der Widerspruch aushält, unabhängig und unbequem bleibt. Seit 30 Jahren forschen, publizieren, lehren und lernen wir gemeinsam. Wir arbeiten mehrsprachig, interdisziplinär und solidarisch vernetzt. Als einziges Schweizer Institut dieser Art verfolgen wir ein Ziel: Recht soll nicht nur verstanden werden. Es soll gerechter werden.
Organisation
Das FRI ist ein Verein, getragen von rund 200 Mitgliedern aus allen Sprachregionen der Schweiz. Seinen organisatorischen Kern bildet der Vorstand, der Groupe Moteur. Er arbeitet als Kollektiv mit geteilter Verantwortung, vereint Expertise aus Wissenschaft und Praxis und trägt die inhaltliche wie strategische Arbeit des Instituts.
Die Geschäftsstelle sorgt für Kontinuität im Alltag und Weitblick in der Entwicklung: Sie koordiniert, administriert, akquiriert Mittel und gestaltet die strategische Ausrichtung des Instituts mit.
Das FRI ist steuerbefreit und finanziert sich durch Mitgliederbeiträge, Spenden, Projektförderungen und Stiftungsgelder. Diese Vielfalt sichert unsere Unabhängigkeit.
Die langfristige Handlungsfähigkeit des FRI sichert zudem die FRI-Stiftung. Diese ist eng mit unserer Geschichte und mit Margrith Bigler-Eggenberger verbunden.
Jahresbericht 2025Geschichte
Die Geschichte des FRI begann mit einer Inspiration und einer Frage. Als die norwegische Rechtsprofessorin Tove Stang Dahl in den 1970er-Jahren an der Universität Oslo das Frauenrecht als juristische Disziplin und als Institut begründete, stellte sie einen radikalen Anspruch: das Recht nicht reparieren, sondern grundsätzlich weiterentwickeln. Diese Idee liess nicht los. Beim feministischen Juristinnenkongress 1992 fragten wir uns: Braucht die Schweiz das auch? Die Antwort war eindeutig.
1995 begannen die konkreten Vorbereitungen. Von Anfang an war der Anspruch gross: kein regionales Institut, angeschlossen an eine einzelne Universität, sondern ein unabhängiges, gesamtschweizerisches und mehrsprachiges Institut. Die institutionelle Unabhängigkeit hatte ihren Preis, und die Finanzierung blieb in den ersten Jahren eine offene Frage.
1999 folgte ein Strategiewechsel: Das FRI begann sich durch Publikationen bekannt zu machen. 2001 erschien mit «Recht Richtung Frauen» die erste Veröffentlichung im DIKE-Verlag. 2004 wurde die FRI-Stiftung gegründet. Dies war ein entscheidender Schritt, der neue Möglichkeiten eröffnete und die Basis für grosse internationale Konferenzen in Zürich, Basel, Freiburg und Neuenburg legte.
Was das FRI über all diese Jahre zusammengehalten hat, war weniger eine formale Struktur als eine gemeinsame Haltung: ein Vorstand, der sich Groupe Moteur nennt und Menschen aus Wissenschaft, Anwaltschaft, Verwaltung und Beratung vereint, getragen von geteilter Verantwortung und einem gemeinsamen Verständnis von Zusammenarbeit.
Seit 2023 befindet sich das FRI in einer neuen Phase. Das Erbe von Margrith Bigler-Eggenberger, Mitgründerin der FRI-Stiftung und wichtige Wegbegleiterin, hat es möglich gemacht, das Institut professionell weiterzuentwickeln. Seit Oktober 2024 hat das FRI eine Geschäftsführungsstelle. Aus einem Netzwerk von Engagierten wird schrittweise ein Institut.